Donnerstag 18 Januar 2018

kite22. – 7. 10. 2012

Poetto Beach / Cagliari / Sardinien / Italien

Yacht Club Cagliari

 

Auftakt einer neuen Olympischen Disziplin

 

Im Mai wurde Kite Race zur neuen Olympischen Segeldisziplin für Rio 2016. Anfang Oktober trafen sich 190 Starter in Cagliari um die Weltmeister zu ermitteln. Drei ÖsterreicherInnen nahmen die Herausforderung an. Der junge Marc Simmer konnte mit einem 13. Rang in der Silver Fleet aufzeigen und präsentiert sich als zukünftige Hoffnung in einer neuen Ära des Regattasports.

 

Im Mai dieses Jahres wurde durch die ISAF entschieden, dass RSX Windsurfing seine beiden Olympischen Medaillen an die Klasse Kite Race abtreten muss. Gleich wie in den frühen Achtzigern, als viel diskutiert wurde, ob Windsurfen als eine Segelklasse gelten darf, waren nun die Augen der Anhänger und Gegner dieser Entscheidung auf die erste Großveranstaltung der jungen olympischen Disziplin gerichtet.

 

 

kite1Entgegen aller kritischer Erwartungen präsentierte sich der Kite Race Sport als die schnellste aller Segel- und Surfklassen auf einem olympischen Bojenkurs, punktete mit einem Starterfeld aus 153 Herren und 42 Damen aus 38 Nationen und verrichtete gesamt 48 Wettfahrten auf zwei Kursbahnen in vier Tagen. Die Kurse waren Up and Down mit Gate und Raumschot-Ziel. Das Format bestand aus zwei Tagen Qualifikation, einem Tag Finale und abschließenden Medal Races.

 

Der Ablauf der Wettfahrten von Start bis Ziel ist dem anderer Boots- und Surfklassen gleich. Anders ist jedoch die Geschwindigkeit: 14 Knoten Kreuzgeschwindigkeit bei 7 bis 8 Knoten Wind, eine Höchstgeschwindigkeit von deutlich über 30 Knoten und eine Flut an bunten Kites, die in bis zu 35 Metern Höhe fliegen, erzeugt eine Faszination, wie sie bisher nur von High Tech Katamaranen des Americas Cup erzeugt wurde. Bei einer Kurslänge von einer nautischen Meile zwischen Luv- und Leeboje und zwei Runden ergibt sich eine Wettfahrtsdauer von nur ca. 15 Minuten. Bei einem Sturz oder groben taktischen Schnitzer findet man sich rasch am Ende des Feldes wieder.

 

Zahlreiche Delegationen führender und auch beginnender Segelnationen waren mit Trainern und Beobachtern im klassischen Segelrevier Cagliari. Ehemalige Windsurfer und Segler, wie Dorian Van Rijsellberge (Windsurf- Olympiasieger in London), wagten bereits den Umstieg, mussten sich aber noch mit Platzierungen in der Mitte bis hinteren Hälfte des Feldes begnügen.

 

Respektabel präsentierte sich der 17 Jahre junge Gmundner Marc Constantin Simmer. Bis zum Sommer dieses Jahres segelte er noch im 470er, bereitete sich ein Monat lang intensiv am Kite Raceboard vor und verlor die Qualifikation für die Goldgruppe der besten 51 nur durch eine unverschuldete Kollision. Ergebnisse um die Top 10 der jeweiligen Gruppe in der Qualifikation waren bei Leichtwind möglich. In der Finalrunde der Silber Flotte haderte er in stärkeren Winden noch mit der Board-Geschwindigkeit, durfte aber resümierend zufrieden sein, sich als 13. der Silber Fleet (gesamt 64.) noch vor etlichen renommierten Namen aus dem Kite- und Windsurfbereich platzieren zu können. Nach der Erfahrung dieser WM glitzern in seinen Augen nur mehr brasilianische Olympische Ringe.

 

Nils Stolzlechner, 50 jähriger Hotelmanager und Kite Raceboard Produzent aus Kitzbühel, lebte die letzten Jahre in Kalifornien und gehört zur Gründerfamilie der Kite Race Szene. Erst im September nach Österreich zurückgekehrt, ist er nach wie vor aus Leidenschaft aktiv am Regattieren und Weiterentwickeln seiner Boards und bringt bereitwillig sein Know-How in das österreichische Kite Race Team ein. Den durch Starkwind verwöhnten Austro-Amerikaner waren die leicht- bis mittelwindigen Bedingungen der Bucht von Cagliari nicht gelegen. So konnte er seine Erfahrung nicht ausspielen und musste sich mit dem 24. Rang der Silber Flotte (gesamt 75.) zufrieden geben.

 

Der absolute Rookie des österreichischen Teams war Sandra Gugenberger. Bisher nur im Kite- Freestylebereich unterwegs war dies ihre erste Regatta überhaupt. Dass die passionierte Rugby Spielerin und erfolgreiche Teilnehmerin an nationalen Dirt Runs Biss hat, zeigte sie in ihrer Einstellung niemals aufzugeben. So kämpfte sie in den ersten Wettfahrten noch ausschließlich gegen das Zeitlimit (15 Minuten nach dem ersten Zieldurchgang), verbesserte sich aber stetig und konnte am Ende immerhin 5 Damen hinter sich lassen. Mit unbändiger Motivation und Fitness war die 24 jährige Oberösterreicherin begeistert und möchte dem Kite- Regattasport treu bleiben.

 

Als dominant erwies sich die amerikanische Trainingsgruppe aus San Francisco – der Geburtsstadt des Kite Racens. Die WM Titel gingen in Herren und Damen an das Geschwisterpaar John und Erika Heineken, die eine makellose Leistung boten. Ihre Kollegen Adam Koch (Silber) und Bryan Lake (6. Rang) mussten bereits mit den Europäern kämpfen. Die Franzosen Julien Kerneur und Maxime Nocher platzierten sich auf Rang 3 und 5, während der für Italien startende Kolumbianer Riccardo Leccese mit dem 4. Platz vorlieb nehmen musste.

 

Bei den Damen konnte Erika Heineken nur durch die Britin Steph Bridge gefordert werden, die sich über die Silbermedaille freute. Bronze ging an Caroline Adrien aus Frankreich.

 

Auffällig an dieser WM war, dass alle Altersklassen im Ergebnis bunt durcheinander gemischt waren. Körperlich nicht ganz so anspruchsvoll wie die Olympische Windsurfklasse bot sich eine Regattaspielwiese, die für 12 bis 60 jährige Aktive, gleich wie für Trainer und Beobachter eines erzeugte: ein breites Grinsen.

 

Die Ergebnislisten gibt es auf http://www.kitecagliari.com/risultati.php