Sonntag 21 Januar 2018

WC_Australien_2010_5Nico Delle Karth und Niko Resch fahren vor Melbourne ihren zweiten Weltcupsieg ein - das OeSV-Aufgebot übertrifft mit zwei Medaillen und einem vierten Platz die eigenen Erwartungen.
„Ich bin von der gezeigten Leistung unserer Segler wirklich angetan, unglaublich stolz und klarerweise sehr zufrieden.“ Georg Fundak, an sich kein Freund von Superlativen, steht die Freude über den famosen Saisonstart seiner Asse ins Gesicht geschrieben. Mit Gold, Silber und einem vierten Rang wurden die Erwartungen des OeSV-Sportdirektors klar übertroffen, zumal die beinharte Vorbereitung im Vorfeld des Australien-Weltcups deutliche Spuren hinterlassen hat und mit Andreas Geritzer eine OeSV-Hoffnung frühzeitig die Segel streichen musste. „Die gesamte Mannschaft ist über sich hinaus gewachsen und hat sich selber belohnt, die vorzeitige Bescherung hätte nicht besser ausfallen können.“

Nico Delle Karth und Niko Resch bleiben in der 49er Klasse das Maß aller Dinge und feiern nach Miami 2009 ihren zweiten Weltcup-Einzelsieg. In einem taktisch hervorragend angelegten Medal Race hielten die 26-Jährigen ihre vermeintlich stärksten Gegner vom Start weg in Schach, gingen kein unnötiges Risiko ein und sahen als vierte die Zielflagge. „Wir haben die Neuseeländer mit Erfolg nervös gemacht und an die Leine gelegt, der Rest war einfach“, strahlt Delle Karth mit Resch um die Wette und fügt hinzu, dass dieser Sieg noch süßer schmeckt als jener von Miami. „Wir haben den australischen Weltmeistern (Outerridge/Jensen, Platz 4) in ihrem Heimatrevier einen deutlichen Denkzettel verpasst und dass bei Verhältnissen, die uns nicht wirklich behagen.“ Vom Mannschaftsgewicht eher auf der schwereren Seite, haben die Weltranglisten-Ersten bei wenig Wind und Welle ein Geschwindigkeits-Manko, davon war vor Melbourne aber herzlich wenig zu sehen. „Wir wussten, dass wir bei Starkwind voll konkurrenzfähig sind, dass es bei weniger auch so gut läuft, hat uns selber ein wenig überrascht.“ Thomas Zajac und Thomas Czajka beenden das Medal Race auf Rang acht und die Serie auf Platz zehn, eine Ausbeute, die sich ebenfalls sehen lassen kann. „Wir hatten in der Vorbereitung so unsere Probleme und sind mit dem Erreichten umso zufriedener. Die Entwicklung stimmt uns sehr positiv, wir werden uns auch in Zukunft nicht verstecken.“

Sylvia Vogl und Carolina Flatscher blicken auf ein „ziemlich chaotisches Medal Race“ zurück und beenden den Australien Weltcup punktegleich mit den Ersten auf Platz zwei. „Wir hatten nach dem Start keinen Weg, wurden auf die falsche Seite hinausgesegelt und haben den Schaden mit Rang drei noch ganz gut in Grenzen halten können.“ Dass man sich nur aufgrund der schlechteren Platzierung im Medal Race mit Silber begnügen muss, trifft weder Vogl noch Flatscher besonders hart. „Wenn du die ganze Woche in Führung liegst, willst du natürlich auch am Ende ganz oben stehen, trotzdem hält sich die Enttäuschung in Grenzen. Unsere bisherige Arbeit wurde bestätigt, vieles klappt bereits nach Wunsch. Auf der anderen Seite wissen wir, was noch fehlt, der Regattaauftritt war sehr lehrreich und hat seinen Zweck voll und ganz erfüllt“, so Vogl.

Für Matthias Schmid und Florian Reichstädter verlief der finale Showdown überaus unglücklich, die 470er-Herren sahen zunächst wie die Sieger aus und mussten sich letztendlich mir Gesamtrang vier begnügen. Die finale Wettfahrt wurde aufgrund eines Winddrehers unmittelbar vor dem Ziel abgebrochen und neu gestartet, während der erste Lauf viel versprechend aussah, kam man im zweiten Versuch nur auf Rang fünf. „Dreht der Wind, wird normalerweise der Kurs verlegt, der Abbruch war unnötig“, ärgerte sich Fundak, der im selben Atemzug von einer sehr starken Vorstellung des Duos sprach. „Normalerweise hebe ich keinen extra hervor, aber die beiden haben mich in dieser Woche wirklich beeindruckt. Sie sind nicht ganz für ihre seglerische Leistung belohnt worden, aber ein vierten Platz im Weltcup kann sich durchaus sehen lassen.“ Für die beiden 30-Jährigen überwog nach ein wenig Abstand ebenfalls das Positive. „Wir haben bei Leichtwind endlich ein konkurrenzfähiges Set up gefunden, unsere Geschwindigkeit war wirklich erfreulich. Dass wir die gesamte Woche über auf Augenhöhe mit der Weltspitze agiert haben tut dem Ego verdammt gut, die harte Arbeit hat sich definitiv gelohnt und macht Lust auf mehr.“

Mit Ausnahme von Andreas Geritzer und Matthias Sailer, die noch die australische Meisterschaft vor Sydney (ab 28. Dezember) in Angriff nehmen, kehrt das OeSV-Team morgen nach Österreich zurück. Nach sechs Wochen in Down Under ist die Vorfreude auf weiße Weihnachten und ein paar Tage Pause deutlich spürbar. Im neuen Jahr wird zunächst das Trockentraining forciert, Mitte Jänner kehren Matthias Schmid und Florian Reichstädter vor Cannes auf das Wasser zurück. Delle Karth und Resch setzen Ende Jänner in Cadiz wieder ihre Segel, Vogl und Flatscher holen sich vor Barcelona den nächsten Schliff. Der Miami-Weltcup (24.-29. Jänner) wird lediglich von den Starbootseglern Hans Spitzauer und Adi Lüzlbauer in Angriff genommen.


Australien Weltcup, Endstand:

49er (11 Wettfahrten +MR, ein Streicher)
1. Nico Delle Karth/Niko Resch AUT 45 (1,2,4,1,9,2,4,5,4,5,(DNF),4)
2. Peter Burling/Blair Tuke NZL 51,5
3. Erik Storck/Trevor Moore USA 57
10. Thomas Zajac/Thomas Czajka AUT 104 (13,3,11,8,5,14,1,11,8,13,(15),8)

470er Damen (8 Wettfahrten+MR, ein Steicher)
1. Kathrin Kadelbach/Friederike Belcher GER 21
2. Sylvia Vogl/Carolina Flatscher AUT 21 (1,2,1,2,4,1,(5),4,3)
3. Feng Hui Huang/Li Zhu Huang CHI 24

470er Herren (8 Wettfahrten+MR, ein Streicher)
1. Mathew Belcher/Malcom Page AUS 19
2. Stuart McNay/Graham Biehl USA 24
3. Samuel Kivell/Will Ryan AUS 25
4. Matthias Schmid/Florian Reichstädter AUT 25 (3,1,3,3,2,(7),1,2,5)


Laser (10 Wettfahrten+MR, ein Streicher)
1. Nick Thompson GBR 42
21. Andreas Geritzer AUT 121 (1,9,6,18,(20),2,9,22,DNC,DNC)
55. Matthias Sailer AUT 195 (28,26.19,28,(DNC),20,23,20,11,20)
Bericht von: Dominik Marsano